Das Kyudo der Neuzeit



Die Meiji-Restauration 1867 brachte die Öffnung des Landes für ausländische (in vielen Fällen deutsche und amerikanische) Einflüsse, die dringend notwendig waren, um das Land zu modernisieren und mit den entwickelten Großmächten aufschließen zu können.

Ein zentral gesteuertes Heer nach westlichem Muster wurde aufgebaut, und man war bemüht die Industrialisierung im Eiltempo voranzutreiben. Diese Entwicklungen brachten das Ende für die meisten Kampfkunstschulen, so auch für den Großteil der Kyudo-Schulen.


Der überlebende Rest musste sich in einem neuen, der alten Mentalität feindlichen Umfeld neu definieren.


Bogenschießen ist eine sehr alte, aber wie sie derzeit gelehrt wird, auch eine junge Kunst. Erst 20 bis 30 Jahre nach dieser Umwandlung von 1867 wurden die alten Kampfkünste wieder belebt und auch in öffentlichen Schulen eingeführt. Damals entstand eine neue Form des KyuJutsu, bei der Aspekte des Sports und der Zeremonie mit eingeflossen sind. Seit dieser Zeit entstanden zwei Aspekte des Kyudo: Im Zeremonieschießen wird entsprechend traditioneller höfischer Formen eine Harmonie der Körperbewegung in den Vordergrund gestellt.

Ogasawara-ryu (im 13. Jh. in Kanagawa entstanden) als Hauptschulrichtung des Shomenstils (zentral hebende Form) hatte Einfluss auf die moderne Richtung der Zeremonie und Bewegung. Bei dieser Schießform steht die Formengestaltung im Vordergrund, was prägend für das offizielle Kyudo von heute wurde.

Daneben existiert noch eine ältere Form des berittenen Bogenschießens, die Takeda-ryu. Sie verfügt noch über ein grosses Repertoire an Reit- und Kampftechniken des Mittelalters, wird aber nur von einem kleinen, engagierten Personenkreis in Japan getragen.

Der anderer Ansatz bezieht sich auf die Kunst des Bogenschießens, die in der Übung zu den psychischen Aspekten führt - die Heki-Schule. Heki-Ryu (im 15. Jh. im Mie entstanden) erhielt bis heute die Shamenform (seitlich, zum Ziel gerichtetes Heben des Bogens). Die Schule schließt an die Linie der Samurai zu Fuß an. Die überlieferte Technik wurde über die Generationen von Meister zu Meister überliefert und auch den zeitlichen Gegebenheiten angepasst. Besondere Beachtung genießt auch die Forschung in diesem Bereich, seit die Heki-ryu  an der Waseda und später an der Tsukuba Universität als Lehrfach eingeführt wurde.