Historische Pfeile und Köcher

Die historischen Pfeile bestanden vorzugsweise aus Bambus und hatten eine Lange von ca. 1 m, unabhängig von der Auszugslänge. Kriegspfeile (Seisen) lackierte man gewöhnlich schwarz und versah sie mit drei oder vier Federn von Habicht oder Kranich. Die Federn wurden mit einer Wicklung befestigt, die auch der Pfeilkerbe (Yahazu) mehr Festigkeit gab. Der Nockenschlitz war bei den Kriegspfeilen direkt in den Schaft eingeschnitten. Pfeile für den Kampf wurden mit extra dafür vorgesehenen Spitzen (Ne) versehen.

Die Form der Pfeilspitzen, meist 3 bis 5 cm lang, liefert den Namen des Pfeiles. Die gebräuchlichsten Pfeilformen für Kampfeinsätze waren Hoko-Ya (Lanzen-Pfeil), Karimata-Ya (Wildgansfuß-Pfeil) und Toriji-Ya (Vogelzungen-Pfeil), da man sie gegen gepanzerte und ungepanzerte Ziele einsetzen konnte. Daneben gab es auch spezielle schildbrechende Pfeile, wie den Tatewari-Ya.

Ein besonders interessanter Pfeilkopf besteht aus  hölzernen Kolben mit Löchern, der pfeift, wenn er durch die Luft fliegt. Dieser "Kabura-Ya", Rübenpfeil genannte Pfeil wurde als Signal benutzt und waren häufig mit einer Kiramataspitze versehen. Auch bei Shinto-Zeremonien wurde der Hikime-Ya (ohne Spitze) eingesetzt. Mit ihrem Pfeifton sollte er böse Geister vertreiben.

Die Pfeilspitzen wurden im Mittelalter von eigens dafür vorgesehenen Waffenschmieden gefertigt. Einige Fürstenfamilien beschäftigten neben Bogenmachern (Yumi-Shi) auch spezielle Dynastien von Pfeilschmieden, wie die Familie Kuchindo des Fürsten Toyotomi oder die Familie Korai des Oda-Clans. Sie fertigten Pfeilspitzen von solcher Güte, dass man sie sogar mit dem Wert von Schwertklingen gleichsetzte.

Pfeile wurden in einem nach oben offenen Köcher (Ebira) an der rechten Hüfte getragen. Der Ebira ist von seiner Grundform aber eher ein "Körbchen" als ein Köcher im herkömmlichen Sinne. Selbst der Name "Ebira" stammt von einem Gerät gleichen Aussehens aus der Seidenraupenzucht. 
Um den Pfeilen besseren Halt zu geben und ein gegenseitiges Verhaken der Spitzen zu verhindern, wurden sie in ein vormontiertes Gitter eingesetzt. Die Pfeile konnten so kurz hinter der Spitze gegriffen, herausgenommen und von unten in den Bogen geführt werden. Diese Methode war besonders beim Reiten von Vorteil. Mit dem europäischen Rückenköcher ist dies nicht so einfach möglich. 
Bei einigen Köcherformen (Utsubo) schützte ein zusätzliches Futteral über dem Köcher die Pfeile und besonders die Federn vor Regen und Verschmutzung. Pfeilgarnituren bestanden aus bis zu 40 Geschossen, üblich waren jedoch Kombinationen aus 16 bis 25 Pfeilen, inklusive eines Stützpfeils (Taini-Ya) der nicht verschossen wurde, sondern als Haltestange des Köchers fungierte. Zum Teil versah man die Pfeile auch mit Namen, Clan und Provinz des Schützen, getreu dem Kodex eines ehrenhaften Kampfes.
© Fritz Eicher